Was Personaler online über Sie finden
Nach einem gelungenen Gespräch am Messestand endet die Beurteilung durch potenzielle Arbeitgeber selten sofort. Viele Unternehmen prüfen bei interessanten Bewerbern zusätzlich öffentlich sichtbare Online-Profile. Wer sich dessen bewusst ist und den eigenen Online-Auftritt vorab einmal kritisch betrachtet, vermeidet unangenehme Überraschungen, bevor sie überhaupt entstehen können. Gleichzeitig lohnt es sich, die neuen Kontakte nach der Jobmesse aktiv weiterzuverfolgen.
Der eigene Namenstest
Der einfachste erste Schritt: Geben Sie Ihren eigenen Namen in eine Suchmaschine ein und betrachten Sie die Ergebnisse so, wie es ein Fremder tun würde. Welche Bilder erscheinen, welche Profile werden angezeigt, welche Inhalte sind öffentlich einsehbar? Die meisten Menschen sind überrascht, wie viel oder wie wenig dabei tatsächlich sichtbar wird – und genau dieses Bild ist es, das sich ein Personalverantwortlicher innerhalb weniger Sekunden verschafft.
Berufliche Netzwerke: aktuell und stimmig halten
Ein aktuelles Profil auf einem beruflichen Netzwerk – insbesondere LinkedIn – ergänzt Ihren Lebenslauf sinnvoll – und genau so sollte es auch behandelt werden. Prüfen Sie, ob die dort aufgeführten Stationen mit Ihrem Lebenslauf übereinstimmen; größere Abweichungen bei Daten oder Positionsbezeichnungen fallen auf und werfen unnötige Fragen auf. Ein aktuelles, professionell wirkendes Profilfoto sowie eine kurze, prägnante Beschreibung der eigenen beruflichen Ausrichtung im Profiltext machen zudem deutlich mehr Eindruck als ein leeres oder seit Jahren nicht aktualisiertes Profil. Sie müssen dafür nicht täglich aktiv posten – ein vollständiges, gepflegtes Profil reicht in den meisten Fällen völlig aus.
Private Plattformen: nicht zwingend aufräumen, aber bewusst gestalten
Anders sieht es bei privaten Netzwerken aus, auf denen Sie sich mit Freunden und Familie austauschen. Hier geht es weniger darum, den gesamten Auftritt zu professionalisieren, sondern die eigenen Privatsphäre-Einstellungen bewusst zu überprüfen. Was ist öffentlich sichtbar, was nur für einen begrenzten Kreis? Inhalte, die im privaten Kontext völlig unproblematisch sind, können außerhalb dieses Kontexts – etwa durch eine schnelle Suche vor einem Vorstellungsgespräch – anders wahrgenommen werden, als sie ursprünglich gemeint waren. Ein regelmäßiger Blick auf die eigenen Privatsphäre-Einstellungen ist deshalb sinnvoller als der Versuch, sämtliche private Inhalte präventiv zu löschen.
Die Grenze zwischen Authentizität und Übervorsicht
Es geht bei diesem Thema nicht darum, jede Individualität aus dem eigenen Online-Auftritt zu verbannen. Ein Hobby, eine persönliche Meinung oder ein ungewöhnliches Interesse müssen nicht versteckt werden – im Gegenteil, ein wenig Persönlichkeit macht ein Profil oft glaubwürdiger als ein komplett steriles Abbild des eigenen Lebenslaufs. Entscheidend ist eher die Frage, ob Inhalte, die für Fremde sichtbar sind, im beruflichen Kontext nicht falsch verstanden werden können – etwa stark polarisierende öffentliche Äußerungen oder Inhalte, die im Widerspruch zu den Werten stehen, die Sie im Gespräch am Messestand vermitteln möchten.
Sichtbarkeit kann auch aktiv helfen
Ein gepflegter, professioneller Online-Auftritt kann über die reine Absicherung hinaus sogar aktiv nützlich sein. Wer regelmäßig mit ehemaligen Kollegen, Ausbildern oder auf der Jobmesse Kompakt kennengelernten Kontakten vernetzt ist, wird für andere Personalverantwortliche sichtbarer und leichter auffindbar – manchmal sogar unabhängig von einer aktiven Bewerbung. Auch das Beitreten branchenrelevanter Gruppen oder ein gelegentlicher fachlicher Kommentar unter passenden Beiträgen kann dazu beitragen, als jemand wahrgenommen zu werden, der sich für die eigene Branche tatsächlich interessiert.
Berufliches und Privates bewusst trennen
Viele Menschen nutzen inzwischen unterschiedliche Plattformen für unterschiedliche Zwecke – ein berufliches Netzwerk für Kontakte aus der Arbeitswelt, private Kanäle für Freunde und Familie. Diese Trennung ist grundsätzlich sinnvoll, funktioniert aber nur, wenn auch die Sichtbarkeitseinstellungen entsprechend gepflegt werden. Prüfen Sie insbesondere, ob private Profile über die Namenssuche überhaupt leicht auffindbar sind, und ob verknüpfte Profile auf anderen Plattformen ungewollt ebenfalls sichtbar werden. Eine bewusste Trennung nimmt Ihnen nicht die Freiheit, sich privat so zu zeigen, wie Sie möchten – sie sorgt nur dafür, dass diese Inhalte auch wirklich dort bleiben, wo Sie sie haben möchten.
Kleinigkeiten, die oft übersehen werden
Neben Social-Media-Profilen gibt es weitere digitale Berührungspunkte, die im Bewerbungsprozess leicht in Vergessenheit geraten. Eine aus Jugendzeiten stammende, verspielte E-Mail-Adresse wirkt auf offiziellen Bewerbungsunterlagen schnell unpassend – eine schlichte Adresse aus Vor- und Nachnamen ist die sicherere Wahl. Auch die Ansage auf der Mailbox lohnt einen kurzen Check, falls ein Unternehmen nach einem Messegespräch versucht, Sie telefonisch zu erreichen: Eine neutrale, klar verständliche Ansage macht einen deutlich besseren Eindruck als eine scherzhafte Nachricht aus vergangenen Tagen.
Ein kurzer Check reicht meist aus
Ein vollständiges Aufräumen des digitalen Lebens ist selten nötig und in der Praxis auch kaum leistbar. Sinnvoller ist ein kurzer, gezielter Check alle paar Monate: Stimmen die Angaben in beruflichen Netzwerken noch mit der aktuellen Situation überein, sind die Privatsphäre-Einstellungen auf privaten Kanälen noch wie gewünscht eingestellt, taucht bei einer Suche nach dem eigenen Namen etwas Überraschendes auf? Zehn Minuten reichen für diesen Check meist völlig aus.
Nach dem Messegespräch: der doppelte Eindruck
Gerade nach einem guten persönlichen Gespräch auf der Jobmesse Kompakt lohnt sich der Blick auf den eigenen digitalen Auftritt besonders. Der Ansprechpartner am Stand hat bereits einen positiven ersten Eindruck von Ihnen gewonnen – ein stimmiges, professionelles Online-Profil bestätigt diesen Eindruck im Nachgang, während größere Widersprüche oder ein wenig durchdachter Auftritt ihn unnötig infrage stellen können. Ein kurzer Check vor dem Messebesuch kostet wenig Zeit, kann im Ergebnis aber genauso viel bewirken wie ein gut vorbereitetes Gespräch selbst.
Prüfen Sie vor dem Messebesuch auch Ihr Profilbild, Ihre Kontaktdaten und den ‚Info‘-Bereich Ihres beruflichen Profils. Schon wenige Minuten Pflege können einen deutlich professionelleren Eindruck bedeuten. Der Online-Auftritt ersetzt kein persönliches Gespräch – aber er rundet den Eindruck ab, den Sie am Stand hinterlassen, und genau das macht ihn zu einem Teil der Bewerbungsvorbereitung, den man nicht dem Zufall überlassen sollte.